User in diesem Thread gebannt : Hulasebdender


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Thema: Schöne deutsche Gedichte

  1. #51
    Selberdenker Benutzerbild von FranzKonz
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Zitat Zitat von Schlummifix Beitrag anzeigen
    Da wallt dem Deutschen auch sein Blut,
    er trifft des Türken Pferd so gut,
    er haut ihm ab mit einem Streich
    die beiden Vorderfüß' zugleich.

    Als er das Tier zu Fall gebracht,
    da faßt er erst sein Schwert mit Macht,
    er schwingt es auf des Reiters Kopf,
    haut durch bis auf den Sattelknopf,

    haut auch den Sattel noch zu Stücken
    und tief noch in des Pferdes Rücken;
    zur Rechten sieht man wie zur Linken,
    einen halben Türken heruntersinken.
    Uhlands Schwabenstreiche. Zu schön.
    „Wenn ich wüsste, dass es nach dem Tod weitergeht, würde ich erst gar nicht sterben.“
    Matthias Beltz

  2. #52
    Selberdenker Benutzerbild von FranzKonz
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Weh, wenn sich in dem Schoß der Städte
    der Feuerzunder still gehäuft,
    das Volk, zerreißend seine Kette,
    zur Eigenhilfe schrecklich greift!
    Da zerret an der Glocke Strängen
    der Aufruhr, daß sie heulend schallt,
    und, nur geweiht zu Friedensklängen,
    die Losung anstimmt zur Gewalt.
    "Freiheit und Gleichheit!" hört man schallen;
    der ruh'ge Bürger greift zur Wehr,
    die Straßen füllen sich, die Hallen,
    und Würgerbanden ziehn umher.
    Da werden Weiber zu Hyänen
    und treiben mit Entsetzen Scherz;
    noch zuckend, mit des Panthers Zähnen
    zerreißen sie des Feindes Herz.
    Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
    sich alle Bande frommer Scheu;
    der Gute räumt den Platz dem Bösen,
    und alle Laster walten frei.
    Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,
    verderblich ist des Tigers Zahn;
    jedoch der schrecklichste der Schrecken,
    das ist der Mensch in seinem Wahn.
    „Wenn ich wüsste, dass es nach dem Tod weitergeht, würde ich erst gar nicht sterben.“
    Matthias Beltz

  3. #53
    1813 Benutzerbild von Ansuz
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte


    Baltische Jugend von
    Gertrud von den Brincken

    Wer bang berechnet Sinn und Zweck und Kosten,
    errechnet nie, was Herz und Fahnen kund:
    Wir aber stehen auf umstürmtem Posten
    so selbstverständlich wie auf eignem Grund.

    Nicht kann die Undurchdringlichkeit der Ferne,
    nicht grauer Frage Donnergroll uns fälln.
    Wir haben Nacht um uns. Vielleicht auch Sterne.
    Nicht wägen gilt's, nicht zählen, -- nur: sich stelln!
    Deutsche mit Vertriebenenhintergrund


    Treue, die am Eisen nicht zerbricht, schmilzt auch nicht im Feuer.

  4. #54
    1813 Benutzerbild von Ansuz
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Die Baltenfahne

    Die Grenzwacht hielt im Osten dem Feinde lange stand
    Heut kehrt ihr letzter Posten zurück ins Vaterland

    Erschöpft und aufgerieben in treuer Ritterschaft
    Die Besten sind geblieben, uns andern brach die Kraft

    Doch bringen wir die Fahne, die wehend vor uns stritt
    Von Rigas blutgen Planen in allen Ehren mit

    Die sturmbewährt sich nimmer vor einem Feind geneigt
    Und heute noch und immer den Weg nach Osten zeigt

    Es rauscht dort hin zu mahnen, zu ihr der Väter Geist
    Trotz aller Not ein Ahnen, das deutsche Zukunft heißt

    Sind wir auch fremd geworden euch Brüdern aus dem Reich
    Aus West und Süd und Norden, das Banner blieb sich gleich

    Ob wir auch hier verderben, das kümmere euch nicht
    Die Fahne zu vererben ist unsere letzte Pflicht

    Ich darf nicht länger zagen, bald zwingt sie euren Sinn
    Nach Ostland sie zu tragen, sie will, sie muß dort hin
    Deutsche mit Vertriebenenhintergrund


    Treue, die am Eisen nicht zerbricht, schmilzt auch nicht im Feuer.

  5. #55
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    Achtung AW: Schöne deutsche Gedichte

    Ernst Jandl:

    zweierlei handzeichen


    ich bekreuzige mich
    vor jeder kirche
    ich bezwetschkige mich
    vor jedem obstgarten

    wie ich ersteres tue
    weiß jeder katholik
    wie ich letzteres tue
    ich allein

  6. #56
    1813 Benutzerbild von Ansuz
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Wenn auf düstrem Bergeskamme
    Aufbrennt unsrer Sehnsucht Licht,
    Und die heilge Glut der Flamme
    Lodernd in die Weltnacht bricht,
    Stehn wir ernst geschart im Kreise,
    Starren in lebendige Glut,
    Spüren stark die wilde heiße Deutsche Stimme uns im Blut.

    Brennen über uns die Sterne,
    Brennt in uns das Herz voll Not,
    Brennt der Ruf in alle Ferne!
    Flammt, ein einziges Gebot.
    Sonnwendfeuer, Notwendfeuer,
    Endzeit du und Zeit der Wende!
    Übergroß und ungeheuer
    Zwingt es Hände nun in Hände.

    Gerhard Schumann
    Deutsche mit Vertriebenenhintergrund


    Treue, die am Eisen nicht zerbricht, schmilzt auch nicht im Feuer.

  7. #57
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    Achtung AW: Schöne deutsche Gedichte

    Heinz Erhardt:

    Noch'n Gedicht

    Die Gans erwacht im grauen Forst
    erstaunt in einem Adlerhorst.
    Sie blickt sich um und denkt betroffen:
    Mein lieber Schwan, war ich besoffen!

  8. #58
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Zitat Zitat von Hulasebdender Beitrag anzeigen
    Heinz Erhardt:

    Noch'n Gedicht

    Die Gans erwacht im grauen Forst
    erstaunt in einem Adlerhorst.
    Sie blickt sich um und denkt betroffen:
    Mein lieber Schwan, war ich besoffen!
    Noch ein Erhardt (Der heisst Heinz)

    Ich würgte eine Klapperschlang
    bis ihre Klapper schlapper klang.
    Wer bei Ärger Leine zieht - so manchen schönen Tag noch sieht.






  9. #59
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Ich bin übrigens nicht ganz zufrieden mit der Fassung von Heinz Erhardt. Ein guter Freund hat eine leicht varrierte Fassung geschrieben, die meiner Meinung nach die tiefe Ruhe und Erhabenheit des morgendlichen Waldes noch fühlbarer macht:

    Zitat Zitat von Karl üp den Stehren
    Der Nebel steigt im grauen Forst.
    Die Gans erwacht im Adlerhorst.
    Sie blickt sich um und denkt betroffen:
    Mein lieber Schwan, war ich besoffen!

  10. #60
    Mitglied Benutzerbild von herberger
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Heinrich Heine: Gedichte 1853 und 1854

    Himmelfahrt
    Der Leib lag auf der Totenbahr,
    Jedoch die arme Seele war,
    Entrissen irdischem Getümmel,
    Schon auf dem Wege nach dem Himmel.
    Dort klopft' sie an die hohe Pforte,
    Und seufzte tief und sprach die Worte:
    Sankt Peter, komm und schließe auf!
    Ich bin so müde vom Lebenslauf -
    Ausruhen möcht ich auf seidnen Pfühlen
    Im Himmelreich, ich möchte spielen
    Mit lieben Englein Blindekuh
    Und endlich genießen Glück und Ruh!
    Man hört Pantoffelgeschlappe jetzund,
    Auch klirrt es wie ein Schlüsselbund,
    Und aus einem Gitterfenster am Tor
    Sankt Peters Antlitz schaut hervor.
    Er spricht: »Es kommen die Vagabunde,
    Zigeuner, Polacken und Lumpenhunde,
    Die Tagediebe, die Hottentotten -
    Sie kommen einzeln und in Rotten,
    Und wollen in den Himmel hinein
    Und Engel werden und selig sein.
    Holla! Holla! Für Galgengesichter
    Von eurer Art, für solches Gelichter
    Sind nicht erbaut die himmlischen Hallen -
    Ihr seid dem leidigen Satan verfallen.
    Fort, fort von hier! und trollt euch schnelle
    Zum schwarzen Pfuhle der ewigen Hölle.«
    So brummt der Alte, doch kann er nicht
    Im Polterton verharren, er spricht
    Gutmütig am Ende die tröstenden Worte:
    »Du arme Seele, zu jener Sorte
    Halunken scheinst du nicht zu gehören -
    Nu! Nu! Ich will deinen Wunsch gewähren,
    Weil heute mein Geburtstag just
    Und mich erweicht barmherzige Lust -
    Nenn mir daher die Stadt und das Reich,
    Woher du bist; sag mir zugleich,
    Ob du vermählt warst? - Ehliches Dulden
    Sühnt oft des Menschen ärgste Schulden;
    Ein Ehmann braucht nicht in der Hölle zu schmorn,
    Ihn läßt man nicht warten vor Himmelstoren.«
    Die Seele antwortet: Ich bin aus Preußen,
    Die Vaterstadt ist Berlin geheißen.
    Dort rieselt die Spree, und in ihr Bette
    Pflegen zu wässern die jungen Kadette;
    Sie fließt gemütlich über, wenns regent -
    Berlin ist auch eine schöne Gegend!
    Dort bin ich Privatdozent gewesen,
    Und hab über Philosophie gelesen -
    Mit einem Stiftsfräulein war ich vermählt,
    Doch hat sie oft entsetzlich krakeelt,
    Besonders wenn im Haus kein Brot -
    Drauf bin ich gestorben und bin jetzt tot.
    Sankt Peter rief: »O weh! o weh!
    Die Philosophie ist ein schlechtes Metier.
    Wahrhaftig, ich begreife nie,
    Warum man treibt Philosophie.
    Sie ist langweihg und bringt nichts ein,
    Und gottlos ist sie obendrein;
    Da lebt man nur in Hunger und Zweifel,
    Und endlich wird man geholt vom Teufel.
    Gejammert hat wohl deine Xantuppe
    Oft über die magre Wassersuppe,
    Woraus niemals ein Auge von Fett
    Sie tröstend angelächelt hätt -
    Nun sei getrost, du arme Seele!
    Ich habe zwar die strengsten Befehle,
    Jedweden, der sich je im Leben
    Mit Philosophie hat abgegeben,
    Zumalen mit der gottlos deutschen,
    Ich soll ihn schimpflich von hinnen peitschen -
    Doch mein Geburtstag, wie gesagt,
    Ist eben heut, und fortgejagt
    Sollst du nicht werden, ich schließe dir auf
    Das Himmelstor, und jetzo lauf
    Geschwind herein -
    Jetzt bist du geborgen!
    Den ganzen Tag, vom frühen Morgen
    Bis abends spät, kannst du spazieren
    Im Himmel herum und träumend flanieren
    Auf edelsteingepflasterten Gassen.
    Doch wisse, hier darfst du dich nie befassen
    Mit Philosophie; du würdest mich
    Kompromittieren fürchterlich -
    Hörst du die Engel singen, so schneide
    Ein schiefes Gesicht verklärter Freude, -
    Hat aber gar ein Erzengel gesungen,
    Sei gänzlich von Begeistrung durchdrungen,
    Und sag ihm, daß die Malibran
    Niemals besessen solchen Sopran -
    Auch applaudiere immer die Stimm
    Der Cherubim und der Seraphim,
    Vergleiche sie mit Signor Rubini,
    Mit Mario und Tamburini -
    Gib ihnen den Titel von Exzellenzen
    Und knickre nicht mit Reverenzen.
    Die Sänger, im Himmel wie auf Erden,
    Sie wollen alle geschmeichelt werden -
    Der Weltkapellenmeister hier oben,
    Er selbst sogar, hört gerne loben
    Gleichfalls seine Werke, er hört es gern,
    Wenn man lobsinget Gott dem Herrn
    Und seinem Preis und Ruhm ein Psalm
    Erklingt im dicksten Weihrauchqualm.
    Vergiß mich nicht. Wenn dir die Pracht
    Des Himmels einmal Langweile macht,
    So komm zu mir; dann spielen wir Karten.
    Ich kenne Spiele von allen Arten,
    Vom Lanzknecht bis zum König Pharo.
    Wir trinken auch - Doch apropos!
    Begegnet dir von ungefähr
    Der liebe Gott, und fragt dich: woher
    Du seiest? so sage nicht aus Berlin,
    Sag lieber aus München oder aus Wien.«
    Toleranz ist die letzte Eigenschaft einer untergehenden Gesellschaft.

    „LÜGEN können Kriege in Bewegung setzen,
    WAHRHEITEN hingegen können ganze Armeen aufhalten.“
    - Otto von Bismarck, deutscher Politiker -

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