User in diesem Thread gebannt : Hulasebdender


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Thema: Schöne deutsche Gedichte

  1. #61
    Mitglied Benutzerbild von herberger
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Auszug aus Heines Himmelfahrt

    Auch klirrt es wie ein Schlüsselbund,
    Und aus einem Gitterfenster am Tor
    Sankt Peters Antlitz schaut hervor.
    Er spricht: »Es kommen die Vagabunde,
    Zigeuner, Polacken und Lumpenhunde,
    Die Tagediebe, die Hottentotten -
    Sie kommen einzeln und in Rotten,
    Und wollen in den Himmel hinein
    Und Engel werden und selig sein.
    Holla! Holla! Für Galgengesichter
    Von eurer Art, für solches Gelichter
    Sind nicht erbaut die himmlischen Hallen -
    Ihr seid dem leidigen Satan verfallen.
    Fort, fort von hier! und trollt euch schnelle
    Zum schwarzen Pfuhle der ewigen Hölle.«
    Nicht die Deutschen müssen sich ändern, sondern die kulturfremden eingereisten Ausländer.

  2. #62
    1813 Benutzerbild von Ansuz
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Matthias Claudius, Abendlied eines Bauersmanns

    Das schöne große Tag-Gestirne
    Vollendet seinen Lauf;
    Komm wisch den Schweiß mir von der Stirne,
    Lieb Weib, und denn tisch auf!

    Kannst hier nur auf der Erde decken,
    Hier unterm Apfelbaum;
    Da pflegt es abends gut zu schmecken,
    Und ist am besten Raum.

    Und rufe flugs die kleinen Gäste,
    Denn hör, mich hungert’s sehr;
    Bring auch den kleinen aus dem Neste
    Wenn er nicht schläft, mit her.

    Dem König bringt man viel zu Tische;
    Er, wie die Rede geht,
    Hat alle Tage Fleisch und Fische
    Und Panzen und Pastet;

    Und ist ein eigner Mann erlesen,
    Von andrer Arbeit frei,
    Der ordert ihm sein Tafelwesen
    Und präsidiert dabei.

    Gott lass ihm alles wohl gedeihen!
    Er hat auch viel zu tun,
    Und muss sich Tag und Nacht kasteien,
    Dass wir in Frieden ruhn.

    Und haben wir nicht Herrenfutter;
    So haben wir doch Brot,
    Und schöne, frische, reine Butter,
    Und Milch, was denn für Not?

    Das ist genug für Bauersleute,
    Wir danken Gott dafür,
    Und halten offne Tafel heute
    Vor allen Sternen hier.

    Es präsidiert bei unserm Mahle
    Der Mond, so silberrein!
    Und kuckt von oben in die Schale
    Und tut den Segen 'nein.

    Nun Kinder esset, esst mit Freuden,
    Und Gott gesegn es euch!
    Sieh, Mond! ich bin wohl zu beneiden,
    Bin glücklich und bin reich!
    Deutsche mit Vertriebenenhintergrund




  3. #63
    1813 Benutzerbild von Ansuz
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Christian Morgenstern

    Draußen im weiten Krieg
    ist blieben mein armer Schatz,
    draußen im fremden Land,
    da liegt er kalt und blass.

    Lag ich doch bei ihm im Grab
    in der fremden Erd!
    Was tu ich hier allein
    am einsamen Herd?
    Stiller Mond,der in mein Fenster scheint,
    hat schon jemand so
    um seinen Schatz geweint?
    Deutsche mit Vertriebenenhintergrund




  4. #64
    1813 Benutzerbild von Ansuz
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Hans Baumann, Der helle Tag, Lied Nr.42

    Tapferes Baltenland, deine leuchtenden Felder schweigen,
    stumm ist der heiße Sand, über den sich die Birken neigen.
    Doch wir wissen die Feuer noch, die weit über Kurland verlohten,
    sie schlagen in unseren Herzen hoch und fordern dies Land für die Toten.

    Tapferes Baltenland, deine Wälder im Sturme singen,
    wenn an den weißen Strand die brausenden Wellen springen.
    Doch wir wissen die Feuer noch ...

    Tapferes Baltenland, Rigas Türme zum Himmel ragen,
    Herrgott, heb deine Hand, daß sie bald unsre Feuer tragen.
    Denn wir wissen die Feuer noch ...
    Deutsche mit Vertriebenenhintergrund




  5. #65
    Bürgerrechtler >ß´( Benutzerbild von Heifüsch
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Zitat Zitat von Hulasebdender Beitrag anzeigen
    Theobald Tiger


    Rechts sind Bäume, links sind Bäume,
    und dazwischen Zwischenräume.
    In der Mitte fließt ein Bach!
    Ach!
    Nein, kein Bach, es ist ein Graben,
    der die Recht- und Linken trennt.

    Weiße Tauben, schwarze Raben.
    Zitternd das Establishment... >ß´)

    (Johann Wolfgang von Kroethe)
    „Ich finde es nicht richtig, dass man immer die Sorgen und Nöte der Bevölkerung ernst nehmen muss. Was haben die denn für Sorgen und Nöte? Ich kann das nicht verstehen!“
    *
    Elfriede Handrick, SPD Brandenburg

  6. #66
    Mitglied Benutzerbild von Arndt
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Die Winde des Herrn von Prunzelschütz


    1. Das war der Herr von Prunzelschütz
    Der saß auf seinem Rittersitz
    mit Mannen und Gesinde
    in mitten seiner Winde.

    2. Die strichen, wo er ging und stand,
    vom Hosenleder übers Land
    und tönten wie Gewitter.
    So konnte es der Ritter !

    3. Zu Augsburg einst, auf demTurnier,
    bestieg er umgekehrt sein Tier,
    den Kopf zum Pferdeschwanze,
    und stürmte ohne Lanze.

    4. Doch kurz vor dem Zusammenprall
    -ein Donnerschlag - ein dumpfer Fall
    Herr Prunz mit einem Furze
    den Gegner bracht zum Sturze.

    5. Da brach der Jubel von der Schanz.
    Herr Prunzelschütz erhielt der Kranz.
    Der Kaiser grüßte lachendund
    und rief: „Epochemachend !“

    6. Ein Jahr darauf Herr Prunzelschütz
    saß froh auf seinem Rittersitz
    mit Mannen und Gesinde
    inmitten seiner Winde.
    7. Da kam ein Bote kreidebleich,
    und meldete: „Der Feind im Reich !
    Das Heer läuft um sein Leben.
    Wir müssen uns ergeben.“

    8. Flugs ritt Herr Prunzelschütz heran,
    lupft seinen Harnisch hinten an
    und lässt aus der Retorte
    der Winde schlimmster Sorte.

    9. Das dröhnte, donnerte und pfiff,
    so dass der Feind die Flucht ergriff.
    Da schrie das Volk und wollte,
    dass er regieren sollte.

    10. Herr Prunz indessen todesmatt,
    sprach: „Gott, der uns geholfen hat,
    der möge mich bewahren.“
    Und ließ noch einen fahren.

    11. Der letzte war’s, der schwach entfloh.
    Drauf schloss für immer den Popo
    Herr Prunz, der frumbe Ritter,
    und alle fanden’s bitter.

    12. Er ward begraben und verdarb.
    Die Burg zerfiel. Doch wo er starb,
    steht heute eine Linde.
    Da raunen noch die Winde.
    Fritz Grasshoff
    ​Wenn das Licht der Vergangenheit nicht mehr unsere Zukunft erhellt, irrt der menschliche Geist in Finsternis. Alexis de Tocqueville

  7. #67
    1813 Benutzerbild von Ansuz
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Gertrud von den Brincken - Meine Heimat könnt ihr nicht zerstören

    Meine Heimat könnt ihr nicht zerstören,
    meine Heimat findet ihr nicht auf;
    nicht die Birken, die nur mir gehören
    an des Wiesenbaches Schlängellauf.

    Nicht den Feldweg zwischen Roggenhalmen,
    zwischen Himmels- und Kornblumenblau;
    nicht der Kaddickfeuer braunes Qualmen
    überm Brachland im Oktobergrau.

    Nicht das langgezogne Lied der Flößer,
    das im Dunkel immer weiter währt ...
    Immer tiefer wird und immer größer
    jede Liebe, die von Leid sich nährt.

    Meine Heimat könnt ihr nicht entreißen,
    denn sie wuchs so ganz in mich hinein,
    sang und segnete mit ihrer weißen
    Winterschwermut meine Seele ein.

    Heimat ist nicht Hülle und Gewandung,
    die man wechselt, die ein Wind zerstört --
    Heimat ist ein Schicksal, -- Grund und Landung,
    was uns tiefst und ohne Tod gehört.
    Deutsche mit Vertriebenenhintergrund




  8. #68
    Nordlicht Benutzerbild von Sjard
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Zitat Zitat von Ansuz Beitrag anzeigen
    Gertrud von den Brincken - Meine Heimat könnt ihr nicht zerstören

    Meine Heimat könnt ihr nicht zerstören,
    meine Heimat findet ihr nicht auf;
    nicht die Birken, die nur mir gehören
    an des Wiesenbaches Schlängellauf.

    Nicht den Feldweg zwischen Roggenhalmen,
    zwischen Himmels- und Kornblumenblau;
    nicht der Kaddickfeuer braunes Qualmen
    überm Brachland im Oktobergrau.

    Nicht das langgezogne Lied der Flößer,
    das im Dunkel immer weiter währt ...
    Immer tiefer wird und immer größer
    jede Liebe, die von Leid sich nährt.

    Meine Heimat könnt ihr nicht entreißen,
    denn sie wuchs so ganz in mich hinein,
    sang und segnete mit ihrer weißen
    Winterschwermut meine Seele ein.

    Heimat ist nicht Hülle und Gewandung,
    die man wechselt, die ein Wind zerstört --
    Heimat ist ein Schicksal, -- Grund und Landung,
    was uns tiefst und ohne Tod gehört.

    Sehr schönes Gedicht. Grün geht leider gerade nicht.
    Der Irrtum strömt, die Wahrheit sickert.

    ​Peter Sirius ( 1858 - 1913 )

  9. #69
    divers Benutzerbild von tabasco
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Nachträglicher Abschied ...

    Auf einmal und ganz unvermittelt
    bleibt man stehn.
    Und horcht.
    Da war etwas.
    Etwas ist vergangen.


    (Wir sehen uns bald,
    wir werden reden,
    wir werden auch zusammen essen gehn.)


    Es wäre Zeit gewesen,
    zu hören und zu sehn.
    Ich wusste, ungenau,
    und hatte viel zu tun.


    Elisabeth Borchers
    being home

  10. #70
    1813 Benutzerbild von Ansuz
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Gertrud von den Brincken, Herrentod 1919

    Acht Knechte trieben ihren Herrn zum Sterben.
    Glanzlos am Galgenberg verglomm ein Stern.
    Und Schnee fiel gläsern über Schnee gleich Scherben.
    Die trunknen Knechte johlten um den Herrn.

    Straff schritt er in zerschlißner Sträflingsjacke,
    unwandelbaren Hochmut im Gesicht.
    Die Schultern trugen schwere Eisenhacke,
    und seine Augen unverhülltes Licht.

    Wozu die Hacke? -- -- -- Um mein Grab zu graben.
    Wozu das Leuchten, Mord-umbrüllter Mann?
    -- -- -- Es ist ein Dank, -- ich will ihn bei mir haben,
    damit ich, -- wenn's so weit ist, -- lächeln kann ...

    Mir ist von Wolken über meinem Parke
    seit Kindheitsfrühen sehr viel Glück geschehn ...
    Und sprich: wozu, trotz Fluch und Tod, der starke
    Hochmut in dir? -- -- -- Zum Wiederauferstehn!

    Deutsche mit Vertriebenenhintergrund




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