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Thema: Lügen über den Kapitalismus oder Lügen über Marx?

  1. #31
    Hände weg von Syrien! Benutzerbild von cajadeahorros
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    Standard AW: Lügen über den Kapitalismus oder Lügen über Marx?

    Nun zur kommunistischen Lüge Nr. 2:

    Zitat Zitat von Heinrich_Kraemer Beitrag anzeigen
    2. Damit geht bereits die politisch ausrichtende Annahme einher, es gäbe eine Trennung zwischen Proletarier (genauer wäre "einst dahinvegetierender arbeitsloser Landarbeiter") und Kapitalisten.

    Wahr ist, daß diese Unterscheidung nationalökonomischer Unsinn ist. Denn der Arbeiter ist sein eigener Kunde: Fragt dieser seine selbst hergestellten Produkte nicht nach, würde er arbeitslos, seine Firma samt Chef ginge pleite. Er ist also gewissermassen der Entscheider über seine eigene Zukunft.

    Marx teilt hier nach Eigentum an Produktionsmitteln und Mehrwert auf. Historisch erstmal völlig absurd, weil nicht erklärt werden kann, wie denn bspw. die liebe Familie Engels überhaupt zu ihrem Kapital kommen konnte. Nationalökonomisch klar ist hingegen, daß Güter bzw. die Forderung darauf aus Leistung entweder konsumiert werden können, oder aber zurückgehalten für Investitionen zu neuerer Güterproduktion. Das ist die grundliegende Eigenschaft des Kapitals, die im mittelalterlichen Tauschwesen nicht möglich war.
    D.h. der Proletarier ist selbst zur Kapitalansammlung fähig, er "beutet" sich selbst aus.
    Auch hier ist es schwierig, eine "kommunistische Lüge" zu erkennen, denn es handelt sich um ein absolutes begriffliches Durcheinander.

    Erklären wir, wie die Familie Engels zu ihrem Kapital kam, das ist ja bekannt. Uropa Engels war ein selbständiger Textilhandwerker, vermutlich ein geschickter und unternehmungslustiger, der wie alle im Raum Barmen ansässigen Garnhersteller und Garnbleicher von einem großherzoglichen Edikt profitierte, das diesen Orten im Herzogtum Jülich das Monopol in Herstellung und Handel von Garnen sicherte. Wie überall in Europa war es die Textilherstellung, bei der als erstes die Mechanisierung gelang, und Uropa Engels hatte offensichtlich genug Geld beiseite legen können, um die erste Maschine zu kaufen, um den ersten kleinen Betrieb zur fabrikmäßigen Herstellung von Spitze zu gründen. Dadurch wurde seine Textilproduktion effizienter, entsprechend konnte er billiger anbieten, wodurch zum Beispiel die Arbeit eines frisch selbständig gewordenen Gesellen "entwertet" wurde, d.h. der freie Handwerker konnte trotz größtem Geschick bestenfalls noch von seiner Arbeit leben, aber KEINE Überschüsse mehr bilden, um irgendwann eine Maschine zu kaufen. Irgendwann in dieser Zeit lag der (begriffliche) Übergang vom Handwerker Engels mit Gesellen und Lehrbuben zum Kapitalisten, von Besitz zu Kapital, d.h. wenn, im Beispiel, der Besitz der Maschine genügte, seinen Lebensunterhalt als Unternehmer zu bestreiten während die ehemals freien Handwerker gezwungen waren, entweder "umzuschulen" (har har) oder nur noch als abhängige Angestellte des Maschinenbesitzers Engels zu arbeiten. Ohne jemals die Möglichkeit zu haben, "die eigenen Produkte" in nennenswerter Menge nachzufragen, was ein Unsinn. Und kein ins Proletariat abgesunkener Handwerker war irgendwann wieder in der Lage, Kapital anzuhäufen oder sich selbst auszubeuten, was ein Unsinn.

    Diese Entwicklung ist nicht "gut" oder "böse", Tatsache bleibt aber, daß die Differenz zwischen dem den Arbeitern gezahlten Lohn und dem von den (inzwischen 300) Arbeitern erwirtschafteten Wert der Waren, der auf dem Markt erzielt werden konnte, groß genug war, daß Opa Engels bereits sozusagen "ins Baugewerbe diversifizieren" konnte und, im Gegensatz zu kleineren Unternehmen, auch Krieg und Embargo überleben konnte. "Unternehmerisches Risiko" ist ab einer gewissen Größe eben relativ. Papa Engels gründete schließlich mit einem englischen Fabrikanten ein Joint Venture, das schlußendlich aber selbst irgendwann in den 1960ern den Betrieb einstellen mußte, weil es von noch größeren Konkurrenten verdrängt wurde, die festgestellt hatten, daß es effizienter ist, Textilien von asiatischen Hungerleidern fertigen zu lassen, und für eine Produktionsverlagerung reichte wiederum das Kapital von Ermen & Engels nicht mehr aus. (Die asiatischen Näher häufen vermutlich auch ungemein viel Kapital an um dann über die eigene Zukunft zu entscheiden und sich selbst auszubeuten...)

    Auch dieser Prozeß ist vom Grundsatz her weder gut noch schlecht, nur steht am Ende der Kapitalkonzentration immer das Monopol. (Nicht im engen, betriebswirtschaftlichen Sinn.) Also bspw. VW, wo jetzt in den Händen von ein paar zerstrittenen Erben und einem Scheich monopolisiert ist, was einmal den Tüftlern und Unternehmern Laurin, Klement, Horch, Rasmussen, Ernst, Cramer, Klett, Winklhofer, Porsche, Versen, Eriksson, Lamborghini, Ducati, Bugatti und dem spanischen Staat gehörte. Während 600.000 Menschen direkt für den Konzern arbeiten und vermutlich ebenso viele indirekt, also praktisch die "workforce" eines kleinen Staates, einer ganzen Gesellschaft, während sich eine Handvoll Großaktionäre den Profit privat aneignen.

    Letzteres ist und bleibt der eigentliche Kritikpunkt am Kapitalismus, der Widersinn aus gesellschaftlicher, sozusagen "gemeinsamer", solidarischer Produktion und der privaten Aneignung der Profite. Egal ob in der Engel'schen Klitsche oder im VW-Konzern.
    Auf geb' ich mein Werk; nur Eines will ich noch: das Ende - das Ende!

    (Wotan, Die Walküre)

  2. #32
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    Standard AW: Lügen über den Kapitalismus oder Lügen über Marx?

    Interessant, wer die Väter von Ideologien sind und wie sie sich später nicht mal einig sind.

    [Links nur für registrierte Nutzer]

    Leserkommentar:
    > Europa braucht weder [...] um sich
    > einig und stark zu fühlen.

    Schöne Worte aus einer längst verflossenen Zeit, die uns in unseren Zeiten des Defätismus und des Spottes über die sich um eine Wirtschaftsunion mühenden Politiker (die insofern vielleicht tatsächlich vergeblich handeln), in Zeiten der antieuropäischen und Antialles-Wertelosigkeit gänzlich fremd vorkommen. Der kindliche kommunistische Idealismus ist verzeilich, denn damals wusste man noch nicht, dass alle heißblütigen Jugendphantasien, wenn sie in Herrschaft umgesetzt werden - egal ob man sie Kommunismus oder Nationalsozialismus nennt -, beim Stacheldraht enden. Aber auch ein bisschen krank ist das, wenn formuliert wird, das mit der eigenen Arbeitskraft erworbene Tauschmittel für den Erwerb des Lebensnotwendigen, das Geld also, sei wie das kannibalische Verzehren des eigenen Fettes - das ist das grundsätzlich Kranke, das alles Ideologische gebiert, weil es ja das Wesen der Ideologie ist, dass der Realität etwas Nichtreales entgegengesetzt wird (weshalb wiederum Nichtideologen bzw. "Neoliberale" immer der größte Feind der Ideologen sind). Interessant wiederum die Erinnerung daran, wie traditionell der linke Judenhass ist, der auch heute noch SED-GEnossen an gegen Israel gerichtete, islamistische Blockadebrecheraktionen teilnehmen lässt, der bis zum heutigen Tag eine ungebrochene Linie des national-sozialistischen Hasses gegen das "angelsächsische Geldjudentum" darstellt.
    [Links nur für registrierte Nutzer]
    Von den üblichen Auseinandersetzungen um die wahre Lehre blieb auch er nicht verschont. Das zeigte sich im wechselhaften Verhältnis zu Marx und Engels. Er wirkte an der Deutschen Ideologie mit, wurde aber im [Links nur für registrierte Nutzer] 1848 scharf angegangen. Seine sozialrevolutionäre Agitation im Roten Katechismus für das deutsche Volk (1852) erinnerte eher an [Links nur für registrierte Nutzer] , als eine Kritik der politischen Ökonomie zu entfalten. Für den »wissenschaftlichen Sozialismus« war er zu unsystematisch. Hess predigte eine Philosophie der Tat, er wollte losschlagen, Marx weiter die ökonomischen Zyklen studieren.
    google: moses hess gedanken geber für karl marx theorien

  3. #33
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    Standard AW: Lügen über den Kapitalismus oder Lügen über Marx?

    kap und soz sind eh nur beschränkte aushilfslösungen für die eugenik.

  4. #34
    Mitglied Benutzerbild von Rhino
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    Standard AW: Lügen über den Kapitalismus oder Lügen über Marx?

    Zitat Zitat von Tryllhase Beitrag anzeigen
    Kapitalismus: Wirtschaftsform, die auf Besitz beruht, der sich nach Manipulationen zu einem höheren Preis verkaufen läßt als sein Erwerb plus den Manipulationen gekostet hat, so daß sein Besitzer mindestens seinen Lebensunterhalt kontinuierlich aus dieser Quelle bestreiten kann. Ein solcher Besitz wird Kapital genannt (nach Marx »sich selbst verwertender Wert«). (...) Jeder Kapitaleinsatz und daher auch der Kapitalismus setzt einen Markt voraus.


    ​Lässt man die Manipulationen weg, bleibt ganz gewöhnlicher Handel.
    Setzt er nicht. Was einen Markt vorraussetzt ist die Preisbildung.

    Mit Manipulationen ist hier wohl die eigentliche Wertschoepfung gemeint. z.B.: Eisenerz und Steinkohle werden im Ofen verarbeitet so dass da spaeter Stahl bei rauskommt. Der Leser denkt aber unweigerlich, dass der Besitzer zwingend die Leute manipuliert, um Gewinne zu machen. Gibt es sicher auch, aber die Leute brauchen das ja nicht mit sich machen zu lassen. Wenn ein Anbieter zu sehr Scheisse ist, geht man zu einem anderen.
    Wahrheit Macht Frei!

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