Marco Henrichs: „Ein Krieg mit Russland wird sich in Europa abspielen“

Mit scharfen Worten kritisiert der Sportler Marco Henrichs Politik und Medien aufgrund ihres Verhaltens gegenüber Russland.

Im NachDenkSeiten-Interview schildert er, warum er sich für die Verständigung zwischen Deutschen und Russen einsetzt...

Herr Henrichs, Sie sind seit vielen Jahren Sportler, aber irgendwann in Ihrem Leben hat sich das Politische bemerkbar gemacht. Was ist vorgefallen?
2016 wurde ich zu einem Mehrkampf nach Russland eingeladen. Ich wurde vorab gefragt, ob ich mit einem russischen Athleten ein Team bilden möchte. Wir sind als einziges internationales Mix-Team mit einem russischen Profiathleten gestartet. Am Ende haben wir Seite an Seite vor über 300 Teams die gesamte Silbermedaille geholt. 37 Km Laufen und fünf Km Schwimmen durch insgesamt acht Seen in den Wäldern nördlich von Sankt Petersburg. Natürlich war es eine gute sportliche Leistung – aber es war für mich auch der emotionalste Wettkampf in meinen 26 Jahren Ausdauersport.
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Dieser Wettkampf spielte sich in den Wäldern Leningrads nördlich von Sankt Petersburg ab. An dem Ort, wo unsere Großväter im Zweiten Weltkrieg gegeneinander kämpfen mussten. Wir sind gemeinsam durch die Bombenlöcher gelaufen und Seen geschwommen, wo es 76 Jahre vorher zahlreiche Tote auf der deutschen und russischen Seite gegeben hat.
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In derselben Nacht bin ich unter Tränen in meinem Hotelzimmer wach geworden. Weniger wegen der Wettkampfschmerzen. Nein – weil mir bewusst geworden ist, was dort passiert ist: Zwei Sportler, dessen Nationen in zwei Weltkriegen bitterlich gegeneinander gekämpft haben, waren heute im Team erfolgreich. Erfolgreich in einem russisch-deutschen Team!

Ich dachte in dieser Nacht aber auch an die Konfrontationspolitik gegen Russland in meiner Heimat. Eine Konfrontationspolitik, die auch noch durch Medien an Fahrt gewinnt, die in ihrer Tendenz konform mit der Politik von USA und NATO gehen und die sich selbst zensieren. Ich wurde wütend darüber! Wütend darüber, wie das Leben von Millionen von Menschen aufs Spiel gesetzt wird. Wütend, weil Meinungsmacher und Entscheidungsträger in den deutschen Medien und in der Politik den Wahnsinn aus zwei Weltkriegen scheinbar vergessen haben.
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Wer in Deutschland offen diskutieren möchte und eine Meinung ausspricht, die nicht konform mit dem Mainstream ist, hat schnell ein Problem. Ich erlebe in Russland mittlerweile mehr Meinungsfreiheit auf den Straßen als in Deutschland. Wer gegen unsere Kanzlerin ist, wird beispielsweise schnell als rechts betitelt. Wer für den Frieden mit Russland wirbt, ist ein Putinversteher oder rechts oder AFD-nah und ähnlicher Schwachsinn. Wer die Flüchtlingspolitik (nicht die Flüchtlinge) kritisiert, ist ein Nazi – usw.! Ich wollte dieses Spiel nicht mehr mitspielen. Ich vertrete offen meine Meinung.

Was haben Sie festgestellt? Wie nehmen Sie die Berichterstattung der großen Medien zu Russland hierzulande wahr?
Ich möchte es mal als Sportler frei heraus aussprechen: Wie die deutschen Mainstreammedien über Russland berichten, ist eine Riesensauerei. Ich erkenne hier einen ganz klaren Regierungsauftrag, uns von Russland zu spalten.

– ich sehe es als einen westlichen bzw. deutschen Regierungsauftrag an, uns von Russland zu spalten. Russland soll in unseren Köpfen ein Feind sein, um unter anderem NATO-Rüstungsausgaben bzw. ein Aufrüsten zu rechtfertigen.
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Erkennen Sie eine Doppelmoral?
Eindeutig ja. Schauen wir uns doch mal die Fußball-WM in Katar an. Der Rote Halbmond rechnet aktuell mit ca. 2.000 bis 2.500 toten und teils versklavten (da ihnen die Reisepässe abgenommen werden) Bauarbeitern, nur für den Bau der Fußball-WM-Stadien. Bis zur Eröffnung der WM rechnet man mit bis zu 3.500 toten Bauarbeitern. Das sind übrigens ähnlich viele Tote wie bei 9/11.

Die Bauarbeiter arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen. Die FIFA hatte das Thema bisher lediglich bedauert, handelt aber nicht. Richtig wäre es, Katar die WM sofort zu entziehen. Aber es passiert nichts und unsere Medien schweigen darüber. Die heilige Kuh Fußball ist nun mal ein großer Markt. Und schließlich ist Katar auch ein wichtiger Handelspartner, um unter anderem unsere Waffen dorthin zu verkaufen.
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Sie haben es angeführt: Sie sind nun in Russland tätig. Was genau machen Sie dort?
Ich vertrete seit 2017 eine sehr große Schwimmliga und einen Schwimmstützpunkt in der Russischen Föderation. Als Trainer und auch als offizieller Repräsentant.
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Ich höre in Russland immer wieder achselzuckend Sätze wie: „Was habt ihr in Deutschland eigentlich für ein Problem mit uns? Wir tun euch doch nichts!“ Ich antworte darauf immer: „Es sind nicht die Deutschen. Es sind unsere USA-gesteuerten Medien und Politiker im Bundestag. Wir Deutschen wollen genauso Frieden wie ihr!“
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Haben Sie Forderungen an Politik und Medien?
Von der Politik fordere ich einen sofortigen Austritt aus der NATO sowie einen Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Deutschland. Zudem muss ein Bündnis mit Russland wieder gestärkt und aufgenommen werden. Wer sich intensiver mit dem Lügenkonstrukt NATO auseinandersetzt, erkennt schnell: Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen, um angeblich für den „Frieden und Demokratie“ zu töten.
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Von der Medienlandschaft in Deutschland wünsche ich mir eine objektive Berichterstattung über Russland. Medien sollen aufhören zu spalten, zu hetzen, stattdessen sollten sie auch ihren Teil zur deutsch-russischen Verständigung beitragen.

Es sollte uns allen klar sein: Ein Krieg mit Russland wird sich in Europa abspielen. Also vor unserer Haustür und nicht in Washington.
Wenn das passiert, sitzen alle unsere Kriegstreiber aus Politik und Medienlandschaft in Sicherheit. Aber wir werden, wie vor 75 Jahren, wieder über unsere toten Kinder und Lieben trauern. Und, davon kann man ausgehen, es wird viele Millionen Tote geben. Das will ich nicht und dafür setze ich mich ein – dafür sollte sich jeder einsetzen!

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Den jungen Mann kann ich nur zu gut verstehen. Ich finde auch, die Wunde mit Russland muss beidseitig liebevoll und behutsam gepflegt und zur Heilung gebracht werden.
Die Amerikaner sollten eine friedliche Annaeherung der beiden Nationen, Russland und Deutschland, begruessen und unterstuetzen.

Natuerlich wuerde ein Krieg mit Russland in Europa ausgetragen werden, es sei denn es kaeme zu einem Atomkrieg, dann waere der ganze Spuk augenblicklich vorbei.