Jetzt, wo die Tage wieder länger werden, sinniere ich wieder über den Schwung des Weltrades nach. Ist denn die Welt ein Rad, das sich unermüdlich drehen muss? Sicher, alles sind Kreise, Ellipsen: Tiefpunkte, Höhepunkte, Wendepunkte. Die Zeit, ein ständiges sich drehen und damit sich wiederholen.

Wenn ich nichts von der Zeit wüsste, wäre sie mir egal.

Was ich über sie weiss, muss ich eher glauben. So muss ich glauben, daß die Erde 4 1/2 Milliarden Jahre alt ist, und man erklärt es mir mit Isotopen und anderen Indirektheiten. Aber nicht jeder glaubt daran, da sich jeder sich die Zeit nur anderes auslegt.

Das Ur-U-Ur meiner Ahnenlinie verstummt in dem Moment, wo die Erinnerung an sie verblasst. Was sind die Ahnen der Vorzeit, ohne ihren Verkünder?

So wie Dietrich im Nebel der Zeit verwand, so ist Zeit ein Nebelschleier, dessen Anfang und Ende man nicht sieht, der die Dinge entrückt, egal, in welche Richtung man geht. Und der Standpunkt des individuellen Jetzt ist die absolute Zeitlosigkeit. Absolutes Vergessen.

Zeit ist somit Vorstellung, reine Gedankenwelt. Sie ist ein Gefühl, wie Trauer und Hoffnung. Zeit ist Sehnsucht, nach dem Vergangenen und dem Zukünftigen.

Es dreht sich, das Weltrad. Es schwingt auf und ab. Es nimmt und gibt, wie die Wellen am Strand. Man geht noch ein Weilchen, und dann ist es einem egal, welche Welt da anbrandet, und welches Leben man gerade lebt. Denn Zeit ist eine Illusion, und man hat es erkannt.


---