+ Auf Thema antworten
Seite 1 von 8 1 2 3 4 5 ... LetzteLetzte
Zeige Ergebnis 1 bis 10 von 75

Thema: Ungleichheit, Mindestlohn und Einwanderung: Der belgische Fall.

  1. #1
    nicht ganz menschlich! Benutzerbild von Aldebaran
    Registriert seit
    19.02.2007
    Ort
    NRW
    Beiträge
    13.850

    Standard Ungleichheit, Mindestlohn und Einwanderung: Der belgische Fall.

    Und noch einmal Belgien.

    Noch in den 90er Jahren hatte Belgien eine der "flachsten" Einkommenverteilungen der Welt, wie man z.B. auf dieser Karte sieht, in der Belgien mit dem "Gini-Index" des Jahres 1996 in der Gruppe der "quasisozialistichen" Umverteilungsländer landet (grün):



    Der Gini-Index oder -Koeffizient misst die Ungleichheit der Einkommensverteilung eines Landes. Er kann zwischen 0 (absolute Gleichiet) und 1 (extreme Ungleichheit) variieren. Die "quasisozialistischen" Länder, also die in der obigen Karte grün gezeichneten, lagen unter 0,3.

    [Links nur für registrierte Nutzer]


    Allerdings hat sich dies seit Mitte der 90er jahre in Belgien geändert. Die Entwicklung des Gini-Index in Belgien ist auf dieser Graphik zu sehen:



    [Links nur für registrierte Nutzer]


    Er ist seitdem von 0,25 auf 0,31 gestiegen. In Deutschland lag er in den Jahren 2005-2008 konstant bei 0,29, d.h. Belgien ist mittlerweile etwas "ungleicher" als Deutschland geworden.

    [Links nur für registrierte Nutzer]

    Wie man sieht, ist nicht etwa ein "Sozialabbau" für die zunehmende Ungleichheit verantwortlich, wie man am gleichbleibenden Abstand der Kurven vor und nach der staatlichen Umverteilung sieht, sondern die Entwicklung der Bruttoeinkommen.


    Zwei Tatsachen lassen darauf schließen, dass dieser Prozess in Belgien mit der Einwanderungswelle der letzten Jahre zusammenhängt. Da ist einmal die Entwicklung der Zahl der Einwanderer (= im Ausland Geborenen) selbst, die seit Mitte der 90er Jahre progressiv ansteigt:




    [Links nur für registrierte Nutzer]


    Was auch in diese Richtung weist, sind die regionalen Unterschiede. Zwichen 1996 und 2007 veränderten sich die Gini-Koeffizienten in den Regionen folgendermaßen:

    Vor Umverteilung

    Flandern: 0,321 -> 0,376 (+0,055)

    Wallonien: 0,324 -> 0,381 (+0,057)

    Brüssel: 0,371 -> 0,445 (+0,074)


    Die Entwicklung im "linken" Wallonien unterscheidet sich also überhaupt nicht von der im "bürgerlichen" Flandern und das stark migrantisierte Brüssel marschiert in Richtung Dritte Welt.

    Nach der Umverteilung können wir auch mit deutschen Zahlen vergleichen
    (2007):

    Flandern: 0,304

    Wallonien: 0,312

    Brüssel: 0,366

    Den höchsten Wert in Deutschland hatte 2007 Hamburg (0,32), den niedrigsten Thüringen (0,24).

    (Quellen: siehe oben)


    Die wachsende Ungleichheit in Brüssel geht mit einer relativen Verarmung der Stadt einher. Das Pro-Kopf-Einkommen sank 1995-2006 von 95% auf 84,6% des belgischen Durchschnitts ab. (Mittlerweile wird die Hälfte der Arbeitsplätze in Brüssel von Pendlern besetzt.)

    [Links nur für registrierte Nutzer]



    Dabei gibt es in Belgien einen gesetzlichen Mindestlohn, jenes universale Heilmittel der linken Wirtschaftstheologie. Mit € 8,41 ist er sogar der vierthöchste in der EU.


    [Links nur für registrierte Nutzer]

    Was hat er gebracht?

    - mehr Einkommensungleichheit

    - mehr Einwanderung

    - und eine höhere Arbeistlosigkeit (derzeit 12%)

    als in Deutschland.

    Könnte es da einen Zusammenhang geben?

    Das ist schlimmer als ein Verbrechen, das ist ein Fehler!

    (Talleyrand)

  2. #2
    Vater der Drachen Benutzerbild von Skorpion968
    Registriert seit
    29.03.2005
    Ort
    Münster
    Beiträge
    44.540

    Standard AW: Ungleichheit, Mindestlohn und Einwanderung: Der belgische Fall.

    Nein.
    Teilen ist das neue Haben.

  3. #3
    Mitglied Benutzerbild von Don
    Registriert seit
    27.11.2005
    Ort
    Bayern (muss erst mal reichen)
    Beiträge
    52.248

    Standard AW: Ungleichheit, Mindestlohn und Einwanderung: Der belgische Fall.

    Zitat Zitat von Skorpion968 Beitrag anzeigen
    Nein.
    Sowenig wie Wasser mit naß zusammenhängt. That was predictable.
    Jeder ist für das verantwortlich, was er tut.

  4. #4
    nicht ganz menschlich! Benutzerbild von Aldebaran
    Registriert seit
    19.02.2007
    Ort
    NRW
    Beiträge
    13.850

    Standard AW: Ungleichheit, Mindestlohn und Einwanderung: Der belgische Fall.

    Zitat Zitat von Skorpion968 Beitrag anzeigen
    Nein.
    Der Irrtum ist der, zu glauben, dass ein kompliziertes System auf das Drehen an einer Stellschraube so reagiert, wie man sich das wünscht. Schon ein simpler Kinderkreisel macht merkwürdige Sachen, wenn man ihn in eine bestimmte Richtung schubsen will.

    Der Markt ist in dieser Hinsicht wie der rachsüchtige Gott des AT: Wer ihn missachtet, wird bestraft.

    Das ist schlimmer als ein Verbrechen, das ist ein Fehler!

    (Talleyrand)

  5. #5
    Mitglied Benutzerbild von Ahab
    Registriert seit
    14.07.2008
    Beiträge
    1.627

    Standard AW: Ungleichheit, Mindestlohn und Einwanderung: Der belgische Fall.

    Ich bin ein wenig irritiert.

    Erst bringst du die Ungleichheit mit der Einwanderung in Verbindung und bringst dann, ohne weitere Zusammenhänge den Mindestlohn ins Spiel.


    Der Mindestlohn ist ja in dem Sinne nicht einmal ein Umverteilungsinstrument, sondern soll dafür sorgen, dass Menschen von ihrem Gehalt Leben können und die Kaufkraft der niedrigen Einkommen stärken.
    Da geht es um ein ganz spezielles Problem und nicht um irgendeine ideologische Frage.

    Ich kann ohnehin nicht nachvollziehen wie man Maßnahme nur ablehnt weil man sie als "links" einordnet.

    Als ob es davon abhinge...

  6. #6
    nicht ganz menschlich! Benutzerbild von Aldebaran
    Registriert seit
    19.02.2007
    Ort
    NRW
    Beiträge
    13.850

    Standard AW: Ungleichheit, Mindestlohn und Einwanderung: Der belgische Fall.

    Zitat Zitat von Ahab Beitrag anzeigen
    Ich bin ein wenig irritiert.

    Erst bringst du die Ungleichheit mit der Einwanderung in Verbindung und bringst dann, ohne weitere Zusammenhänge den Mindestlohn ins Spiel.


    Der Mindestlohn ist ja in dem Sinne nicht einmal ein Umverteilungsinstrument, sondern soll dafür sorgen, dass Menschen von ihrem Gehalt Leben können und die Kaufkraft der niedrigen Einkommen stärken.
    Da geht es um ein ganz spezielles Problem und nicht um irgendeine ideologische Frage.

    Ich kann ohnehin nicht nachvollziehen wie man Maßnahme nur ablehnt weil man sie als "links" einordnet.

    Als ob es davon abhinge...

    Und die Stärkung der "Kaufkraft der niedrigen Einkommen" hat nichts mit der allgemeinen Einkommensverteilung zu tun?

    Selbstverständlich ist der Mindestlohn auch als Umverteilungsinstrument gedacht. Irgendwer muss ihn ja zahlen - wenn er denn dazu bereit ist. Und genau diese Einschränkung ist das Problem.

    Das ist schlimmer als ein Verbrechen, das ist ein Fehler!

    (Talleyrand)

  7. #7
    Mitglied Benutzerbild von Don
    Registriert seit
    27.11.2005
    Ort
    Bayern (muss erst mal reichen)
    Beiträge
    52.248

    Standard AW: Ungleichheit, Mindestlohn und Einwanderung: Der belgische Fall.

    Zitat Zitat von Ahab Beitrag anzeigen
    Ich bin ein wenig irritiert.

    Erst bringst du die Ungleichheit mit der Einwanderung in Verbindung und bringst dann, ohne weitere Zusammenhänge den Mindestlohn ins Spiel.


    Der Mindestlohn ist ja in dem Sinne nicht einmal ein Umverteilungsinstrument, sondern soll dafür sorgen, dass Menschen von ihrem Gehalt Leben können und die Kaufkraft der niedrigen Einkommen stärken.
    Da geht es um ein ganz spezielles Problem und nicht um irgendeine ideologische Frage.

    Ich kann ohnehin nicht nachvollziehen wie man Maßnahme nur ablehnt weil man sie als "links" einordnet.

    Als ob es davon abhinge...
    Kaufkraft ist das, was man sich durch eigene Wirtschaftsleistung erarbeitet.
    Geld oder Lohn stellt das nur zahlenmäßig dar.

    Wenn durch Mindestlohn erzwungen eine höhere wirtschaftliche Leistung bezahlt werden muß als durch den Lohnempfänger erarbeitet wird hat dies zur Folge daß sie eben gar nicht bezahlt wird weil ihn niemand einstellt. Punkt.

    Dies ist bei der überwältigenden Mehrzahl eingewanderter Talente zweifelsohne der Fall, was den Zusammenhang erklärt. Wenn eine zunehmende Zahl dieser Leute auf Stütze leben steigt der Gini Index völlig automatisch.
    Jeder ist für das verantwortlich, was er tut.

  8. #8
    Vater der Drachen Benutzerbild von Skorpion968
    Registriert seit
    29.03.2005
    Ort
    Münster
    Beiträge
    44.540

    Standard AW: Ungleichheit, Mindestlohn und Einwanderung: Der belgische Fall.

    Zitat Zitat von Aldebaran Beitrag anzeigen
    Der Irrtum ist der, zu glauben, dass ein kompliziertes System auf das Drehen an einer Stellschraube so reagiert, wie man sich das wünscht. Schon ein simpler Kinderkreisel macht merkwürdige Sachen, wenn man ihn in eine bestimmte Richtung schubsen will.

    Der Markt ist in dieser Hinsicht wie der rachsüchtige Gott des AT: Wer ihn missachtet, wird bestraft.
    Ach Gottchen, der Markt der unbarmherzige Rächer. So ein Schund kann nur Marktideologen einfallen.

    Tipp: Sieh dir mal die Wetteraufzeichnungen an. Die Einkommensveränderungen in Belgien hängen bestimmt mit Wetterveränderungen zusammen. Als intervenierende Variable könnte noch die Zahl der gefahrenen Autokilometer wirksam sein.
    Und falls nicht, kann man den Zusammenhang wenigstens mal behaupten.
    Teilen ist das neue Haben.

  9. #9
    Mitglied Benutzerbild von Ahab
    Registriert seit
    14.07.2008
    Beiträge
    1.627

    Standard AW: Ungleichheit, Mindestlohn und Einwanderung: Der belgische Fall.

    Zitat Zitat von Don Beitrag anzeigen
    Kaufkraft ist das, was man sich durch eigene Wirtschaftsleistung erarbeitet.
    Geld oder Lohn stellt das nur zahlenmäßig dar.

    Wenn durch Mindestlohn erzwungen eine höhere wirtschaftliche Leistung bezahlt werden muß als durch den Lohnempfänger erarbeitet wird hat dies zur Folge daß sie eben gar nicht bezahlt wird weil ihn niemand einstellt. Punkt.

    Dies ist bei der überwältigenden Mehrzahl eingewanderter Talente zweifelsohne der Fall, was den Zusammenhang erklärt. Wenn eine zunehmende Zahl dieser Leute auf Stütze leben steigt der Gini Index völlig automatisch.
    Du tust gerade so als müssten Unternehmen ihre Produkte nicht an einen Endverbraucher absetzen. Wenn der fehlt weil er schlicht kein Geld hat um sie zu bezahlen, dann ist das Ergebniss letztendlich auch kein anderes. Es kostet Arbeitsplätze.

    Das Problem ist ja nicht, dass keine Wirtschaftsleistung erzeugt wird, sondern dass sie abgewertet wird indem man Wirtschaftsbarrieren, die ja nicht ohne Grund einst eingeführt worden sind, abbaut und mit Märkten verbindet die zu unseren überhaupt nicht kompatibel sind.

    Weil dort Lebenshaltungskosten wesentlich niedriger sind, weil es kaum Arbeitssicherheitsmaßnahmen gibt, weil es kaum Umweltbestimmungen gibt die eingehalten werden müssen und aus vielen anderen Gründen.


    Mit einem Mindestlohn kann man ansetzen die Entwicklung der letzten 15 Jahre aufzuhalten und die Kaufkraft stabilisieren oder vielleicht sogar ein wenig Triebkraft in die Wirtschaft bringen, da man Bedarf erzeugt.

    Nur alleine, ohne eine erneute Abgrenzung unserer Märkte hilft er natürlich nichts.
    Das Geld würde einfach nach China oder zu sonstigen Billigproduzenten abfließen.


    Im Übrigen stellt der Lohn nicht die erzeugte Wirtschaftsleistung dar, sondern ist bloß das Ergebnis von Angebot und Nachfrage.
    Die Wirtschaftsleistung eines Arbeitnehmers selbst, wird naturgemäß vom Unternehmer abgeschöpft, das ist der Sinn der Sache.

    Ändert zwar nichts an der Sache, aber es sollte vor dem Hintergrund der Leistungsträgerdebatte mal klargestellt sein, dass Unternehmer und Teilhaber eben nicht Alleinerzeuger sind, wie oft der Eindruck erweckt werden soll.

  10. #10
    Landbesitzer Benutzerbild von Apart
    Registriert seit
    13.01.2010
    Ort
    Burenland
    Beiträge
    7.167

    Standard AW: Ungleichheit, Mindestlohn und Einwanderung: Der belgische Fall.

    Exzellenter Eröffnungsbeitrag, sehr gut recherchiert!

    Tja, liebe linken Sozialromantiker, Geld muß erarbeitet werden.

    Was der Staat fördert, das vermehrt sich. Auch Dummheit, Faulheit und Armut.

+ Auf Thema antworten

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Ähnliche Themen

  1. Belgische Konsulat zahlt keine Miete
    Von Dayan im Forum Internationale Politik / Globalisierung
    Antworten: 12
    Letzter Beitrag: 20.12.2009, 19:44
  2. Wie die Bauwut der Europäischen Union die belgische Hauptstadt verschlingt
    Von roxelena im Forum Internationale Politik / Globalisierung
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 27.03.2009, 18:36
  3. Soziale Ungleichheit: Mittelschicht schrumpft - Spitzenverdiener legen zu
    Von timoeyr im Forum Gesellschaft / Soziales / Arbeit / Bildung / Familie
    Antworten: 15
    Letzter Beitrag: 04.03.2008, 20:41
  4. Belgische Politikerin wird zur Hure für Stimmen
    Von Abseits im Forum Internationale Politik / Globalisierung
    Antworten: 48
    Letzter Beitrag: 18.05.2007, 13:04

Nutzer die den Thread gelesen haben : 0

Du hast keine Berechtigung, um die Liste der Namen zu sehen.

Forumregeln

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
nach oben