Freiheit gilt ja gemeinhin als Wert an sich. Hat sich hier mal jemand Gedanken über den Inhalt dieses Wertes gemacht? Ich behaupte, wenn man das tut, kommt man zu dem Schluss, dass Freiheit keine Forderung ist, die man erheben sollte.

Der Inhalt von Freiheit ist zum einen eine Tautologie. Wenn damit nämlich nur gemeint ist, ich mache, was ich will, ist die Bestimmung von Freiheit recht inhaltslos. Das ist aber meist nicht gemeint. Freiheit als Wert, als Grundrecht ist - wie jede Forderung nach einem Grundrecht - ein Appell an einen Staat, der die Freiheit einschränkt. Staaten gewähren oder beschränken Freiheiten je nach ihrem Kalkül. Somit setzt die Forderung oder die Bitte um Freiheit dieses Herrschaftsverhältnis voraus, ohne es in Frage zu stellen. Andersherum: Wenn es keine Staaten gäbe, würde niemand Freiheit fordern. Das Verhältnis Herrschaft/Untertan ist somit dabei impliziert.

In der bürgerlichen Welt kommt Freiheit in zweierlei Hinsicht vor: Zum einen die Freiheit von Eigentum, also der Ausschluss vom gesellschaftlichen Reichtum und damit der Zwang, für die Vermehrung des Eigentums anderer arbeiten zu müssen. Zum anderen die persönliche Freiheit, also die Erlaubnis, auch arbeiten zu dürfen (oder es zu lassen). Freiheit ist demnach ein Euphemismus für ein Zwangsverhältnis.